Drei Gründe, warum wir mehr KI(-Kompetenzen) in der Schule benötigen

Jacob Chammon, Geschäftsführer Deutsche Telekom Stiftung

Bei der Deutsche Telekom Stiftung beschäftigen wir uns seit langem mit der Bildung in den MINT-Fächern und damit natürlich auch mit der Einbindung von KI-Technologien in Schule und Unterricht. Unsere Haltung ist dabei glasklar: KI muss an allen Schulen in Deutschland ankommen. Denn für den Einsatz von KI in der Schule gibt es drei gute Gründe:


1. Digitale Teilhabe bedingt die Nutzung von KI.
Schule muss alle Schüler:innen befähigen, beruflich und gesellschaftlich teilhaben zu können. In einer zunehmend digitalisierten Welt sind dafür digitale Kompetenzen unabdingbar und hier kommt schnell die KI ins Spiel. Kinder und Jugendliche, Lehrkräfte und Schulleitungen – sie alle müssen wissen, wie KI-Technologien funktionieren, wie sie wirken und wie man sie zielgerichtet nutzen kann. Und sie müssen ausreichend Urteilskraft für das besitzen, was die KI kann oder eben auch nicht – Stichwort Halluzinieren. Auch Urteilskraft und kritisches Denken kann und muss man als bedeutende Zukunftskompetenzen in den Schulen lehren, lernen und gegebenenfalls auch prüfen.


2. KI ermöglicht anderes Lehren, Lernen und Prüfen.
KI hat das Potenzial, das Lehren, Lernen und auch das Prüfen in Schule maßgeblich zu verändern. Viele Lehrkräfte erproben bereits die Möglichkeiten, die KI bietet, für die eigene Unterrichtsentwicklung. Schüler:innen nutzen Technologien wie ChatGPT und Canva um damit Inhalte zusammenzufassen, Texte zu erstellen oder auch Bilder zu generieren. Was im deutschen Schulsystem noch zu kurz kommt, ist das Prüfen mit KI. Meiner Meinung nach sollten inzwischen auch die Prüfungsformate der Digitalisierung und der Einbindung von KI in den Unterricht Rechnung tragen. Wir sollten unbedingt damit starten, digitale Hilfsmittel in Prüfungen kontrolliert zuzulassen, etwa für begrenzte Recherchezeit im Internet während einer Klausur oder für die Nutzung von KI zur Lösung komplexer naturwissenschaftlicher Fragestellungen. Die Schüler:innen müssten dann erklären, warum sie eine bestimmte, von der KI angebotene Lösung genutzt und eine andere verworfen haben. Entscheidend für die Bewertung wäre also, wie kritisch, reflektiert und kompetent sie mit den KI-Vorschlägen umgehen – und nicht, ob sie die „richtige“ Antwort geben.

Copyright: aim Heilbronn
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3. KI unterstützt eine leistungsfähige Schulorganisation.
In unserem Leitfaden „Künstliche Intelligenz in der Schule“ haben wir sieben KI-Technologien vorgestellt, die für den Einsatz in Schulen geeignet sind. Darunter sind auch Beispiele, die die Organisation und Verwaltung von Schule effizienter machen. Damit gewinnen Schulleitungen und Lehrkräfte Ressourcen für den Unterricht, denn viele Aufgaben sind Routine, kosten aber viel Zeit und belasten die Pädagog:innen. Denken wir nur mal an die alljährliche Erstellung des Stundenplans für die gesamte Schule. Genau hier kann KI wirkungsvoll eingesetzt werden. Als ehemaliger Schulleiter weiß ich ganz genau, wovon ich spreche.


Fazit:
KI-Technologien bieten enormes Potenzial für das System Schule. Nun geht es für alle Akteure im Bildungssystem – Praxis, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, EdTechs und Zivilgesellschaft - darum, dieses Potenzial zu heben und KI zu einem selbstverständlichen Baustein guter Bildung zu machen. Wir sollten dabei die bestehende Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten in den Blick nehmen und die weiteren Aufgaben gemeinsam angehen.