Steckbrief
Schulname: Adelheidisgrundschule (gemeinsam mit der Carl Orff Grundschule Huerth)
Stadt: Bonn
Bundesland: Nordhrein-Westfalen
Schulform: Gemeinschaftsgrundschule
Schüler:innen: ca. 270
Kollegium: ca. 22
So setzt die Adelheidisgrundschule KI ein
An der Adelheidisgrundschule in Bonn ist Künstliche Intelligenz kein fernes Schlagwort, sondern Unterrichtsgegenstand zum Anfassen. Die Schule setzt auf KI-ENNA, ein offenes Framework, das neuronale Netze im Browser sichtbar macht. Schüler:innen und Lehrkräfte trainieren eigene kleine Modelle direkt im Klassenraum. Es braucht keine Accounts und keine Cloud. Die Datenverarbeitung läuft lokal im Browsercache. Wer möchte, überträgt das Modell auf einen Microcontroller und macht die Ergebnisse über LEDs oder Sensoren erlebbar.
Der Ansatz ist forschend und niedrigschwellig. Die Schüler:innen definieren ein Vorhaben, legen Merkmale fest und sammeln Trainingsdaten. Ein Beispiel aus dem Sachunterricht: Legosteine nach Noppenzahl und Länge unterscheiden. Die Klasse diskutiert, welche Merkmale wirklich tragen, erlebt Overfitting und überprüft die Treffergenauigkeit. So entstehen erste Routinen der Data Literacy: sorgfältig messen, sauber dokumentieren, Ergebnisse kritisch prüfen.
Datenschutz und Ethik sind fester Bestandteil des Unterrichts. Projektthemen wählt die Lerngruppe gemeinsam. Personenbezogene Daten werden vermieden oder anonymisiert. KI-ENNA zeigt den Trainingsprozess transparent an. Lehrkräfte nutzen diese Sichtbarkeit, um Bias, Fehlklassifikationen und Grenzen von Modellen altersgerecht zu besprechen.
Stimmen aus der Praxis
- Interview mit Lukas Trinius, Konrektor der Adelheidisgrundschule
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Wie bringt man Künstliche Intelligenz schon in der Grundschule vom abstrakten Zukunftsbegriff verständlich und greifbar ins Klassenzimmer? Im Interview berichtet Lukas Trinius, Konrektor der Adelheidisgrundschule in Bonn, wie seine Schule durch gemeinsames Ausprobieren, niedrigschwellige Tools und die Kreativität der Kinder eine lebendige KI-Lernkultur aufgebaut hat.
Wie hat Ihre Schule die nötigen Kompetenzen entwickelt, um KI sinnvoll in Unterricht und/oder Schulorganisation zu integrieren?
Der Kompetenzaufbau erfolgte praxisnah und kollaborativ. Ausgangspunkt war die Neugier der Lehrkräfte an der Adelheidisgrundschule in Bonn und der Carl Orff Grundschule in Hürth, die gemeinsam mit KI-ENNA erste Unterrichtsbesuche gestalteten und dabei erlebten, wie einfach sich komplexe KI-Konzepte altersgerecht vermitteln lassen. Durch „Learning by Doing“ – also selbst Daten erfassen, neuronale Netzwerke trainieren und Ergebnisse diskutieren – wuchs das Verständnis für KI und Datenqualität bei den Schülerinnen und Schülern organisch. KI-ENNA hat insbesondere dabei geholfen, Hemmschwellen abzubauen und eigene Ideen umzusetzen. Aus den Ideen der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräften sind sofort neue Anwendungsmöglichkeiten hervorgegangen. So entstand Schritt für Schritt eine kompetente Schulgemeinschaft, die KI nicht nur konsumiert, sondern versteht und kritisch reflektiert.Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl: „Jetzt verändert KI wirklich etwas an unserer Schule?
Der Wendepunkt kam, als die Schülerinnen und Schüler selbst begannen, neue KI-Beispiele für andere Schülerinnen und Schüler aus anderen Klassen und sogar für andere Grundschulen zu entwickeln – beispielsweise durch das Beschreiben und Vermessen von Naturmaterialien wie Blätter von verschiedenen Bäumen, Klassengegenständen oder Alltagsobjekten (Spaghetti vs. Macaroni ist bspw. eine Idee der Schülerinnen und Schüler). Plötzlich waren sie nicht mehr nur Lernende, sondern Lehrende: Sie erklärten ihren Mitschülerinnen, Lehrkräften und sogar Eltern, wie ein neuronales Netzwerk trainiert wird und warum gute Daten wichtig sind. Der Perspektivwechsel zu Schülerinnen und Schüler als Multiplikatoren von Data Literacy hat das Schulklima nachhaltig verändert. KI wurde zu einem Werkzeug des gemeinsamen Lernens und Staunens, nicht zu einem abstrakten Zukunftsthema.
Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?
Der Schlüssel war die gemeinsame Erfahrung im Unterricht: Alle Beteiligten – Lehrkräfte, Schülerrinnen und Schüler sowie die Schulleitungen – konnten KI unmittelbar erleben und verstehen. KI-ENNA braucht keine Spezialausrüstung oder Programmierkenntnisse, sondern läuft auf bereits vorhandenen Geräten wie Tablets und Smartboards. Diese Niedrigschwelligkeit hat Begeisterung ausgelöst und ermöglicht, dass Kolleginnen und Kollegen sofort eigene Ideen einbringen konnten. Zudem wurden Projektergebnisse sichtbar geteilt – bspw. über die Schulgrenzen hinaus. Besonderer Dank gilt hier Birgit Schneider, die als Schulleitung der Carl Orff Grundschule in Hürth den Austausch der Projektideen unter den Schülerinnen und Schülern ermöglicht hat und Dennis Klinkhammer für die Entwicklung und kostenlose Bereitstellung von KI-ENNA. So entstand Stolz und ein Gefühl gemeinsamer Verantwortung: KI als Teil der Schulkultur, nicht als reines „Technikprojekt“. Das Motto dabei lautet: „Wir verstehen, was KI tut – und gestalten mit.“
- Drei Praxistipps für den KI-Einstieg
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Diese drei Empfehlungen gibt Konrektor Lukas Trinius Schulen, die jetzt mit KI durchstarten wollen:
1. Beginnen Sie niedrigschwellig und anfassbar. Schülerinnen und Schüler lernen KI nicht durch abstrakte Begriffe, sondern durch eigenes Erleben – etwa wenn ein Microcontroller Gesichter oder Objekte erkennt.
2. Machen Sie Daten sichtbar und begreifbar. Wenn Schülerinnen und Schüler selbst Eicheln und Kastanien oder verschiedene Legosteine vermessen und daraus ein neuronales Netzwerk trainieren, verstehen sie, dass KI immer nur so gut ist wie die Daten, die sie füttern.
2. Fördern Sie eine offene, reflektierte Haltung. KI ist kein magisches Werkzeug, sondern Statistik mit Rechenleistung, die es anschaulich zu vermitteln gilt – wer das versteht, kann Chancen nutzen und Risiken einschätzen.