Steckbrief
Schulname: Freiherr-vom-Stein-Schule
Stadt: Immenhausen
Bundesland: Hessen
Schulform: Kooperative Gesamtschule
Schüler:innen: ca. 600
So setzt die Freiherr-vom-Stein-Schule KI ein
Die Freiherr-vom-Stein-Schule Immenhausen im Landkreis Kassel ist eine kooperative Gesamtschule mit Mittel- und Gymnasialzweig und rund 700 Schülerinnen und Schülern. Sie steht für eine Schule im Wandel: Offen, zukunftsorientiert und digital gut aufgestellt. Mit ihrem pädagogischen Konzept „SchuleNeuDenken“ fördert sie selbstverantwortliches Lernen in Lernlandschaften, Werkstätten und Lernbüros. Neben klassischen Unterrichtsfächern legt die Schule großen Wert auf digitale Bildung und Zukunftsverantwortung und macht Künstliche Intelligenz (KI) zu einem festen Bestandteil des Lernens.
Seit 2023 ist die Schule eine der ersten in Hessen, die das neue Fach „Digitale Welt“ im Rahmen eines Schulversuchs unterrichtet. Darin verankert ist der „KI-Führerschein“, den alle Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 6 absolvieren. Er vermittelt Grundlagenwissen zu Funktionsweise und Einsatz von KI, sensibilisiert für ethische Fragen und trainiert den reflektierten Umgang mit digitalen Werkzeugen. Ein verbindlicher Nutzungsvertrag, den Schüler:innen und Eltern zu Beginn jedes Schuljahres unterzeichnen, sorgt für Transparenz und gemeinsame Verantwortung.
Zum Einsatz kommen vor allem KI-Tools für die Unterrichtsplanung, Materialerstellung, Feedback und KI-Klassenräume, ohne dass Schüleraccounts notwendig sind. Lehrkräfte können mit wenigen Klicks Unterrichtseinheiten planen, Aufgaben differenzieren und Arbeitsmaterialien generieren. Im Unterricht wird KI beispielsweise in Deutsch, Kunst und Geschichte eingesetzt, etwa zur Textanalyse, Bildgenerierung oder zur Auseinandersetzung mit Deepfakes. So wird KI nicht nur als technisches Werkzeug, sondern als Lerngegenstand mit gesellschaftlicher Relevanz behandelt.
Stimmen aus der Praxis
- Interview mit Dr. Tina Hofmann-Deist, Schulleiterin
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Im Interview berichtet Dr. Tina Hoffmann-Deist, Schulleiterin der Freiherr-vom-Stein Schule, wie die Schule eine gemeinsame Haltung zum Einsatz von KI entwickelt hat und welche Schritte dabei besonders hilfreich waren.
Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl: „Jetzt verändert KI wirklich etwas an unserer Schule?“
Der Wendepunkt kam, als Schülerinnen, Schüler und Kolleginnen und Kollegen gemerkt haben, dass KI kein Tabuthema mehr ist. Sobald offen über Chancen, Risiken und sinnvolle Nutzung gesprochen wurde, entstand eine neue Aufbruchsstimmung. Lehrkräfte trauten sich, Tools auszuprobieren, und Lernende brachten eigene Ideen ein, wie KI ihnen beim Lernen helfen kann.
Diese Offenheit hat das Klima an der Schule verändert: Statt Unsicherheit herrscht Neugier, statt Skepsis Begeisterung. KI ist nicht länger etwas, das „von außen“ kommt, sondern ein Werkzeug, mit dem wir Unterricht und Lernen gemeinsam weiterentwickeln. In diesem Moment war klar KI verändert nicht nur, was wir lernen, sondern auch, wie wir lernen.
Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?
An unserer Schule war von Anfang an klar: Wenn wir Schule neu denken wollen, muss KI Teil dieses gemeinsamen Weges sein. Wir haben das Thema bewusst nicht einzelnen Engagierten überlassen, sondern alle eingeladen, mitzudenken und mitzugestalten in Fachgruppen, Pädagogischen Tagen und offenen Austauschrunden. Jede Idee war willkommen, egal ob von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern oder Mitarbeitenden.
So entstand Schritt für Schritt eine gemeinsame Haltung: KI ist kein Zusatzprojekt, sondern ein Werkzeug, das uns hilft, Lernen und Lehren neu zu gestalten. Durch Offenheit, Vertrauen und gemeinsames Ausprobieren wurde aus dem Thema KI eine Bewegung, die unsere gesamte Schulgemeinschaft trägt ein weiterer Schritt hin zu einer wirklich zukunftsorientierten Schule.
Was war die größte Herausforderung auf dem Weg und wie haben Sie sie gelöst?
Die größte Herausforderung war, alle zu überzeugen, dass KI kein vorübergehender Trend ist, sondern eine grundlegende Veränderung unserer Lern- und Lebenswelt. Anfangs gab es Skepsis, vor allem die Sorge, KI könne den menschlichen Aspekt von Schule verdrängen. Uns war jedoch bewusst: Wenn wir uns dem Thema verweigern, droht eine doppelte Entfremdung von den Technologien, die unseren Alltag prägen, und von den Schülerinnen und Schülern, die selbstverständlich damit umgehen.
Wir haben diese Hürde überwunden, indem wir Räume für Austausch, Fragen und gemeinsames Lernen geschaffen haben. Niemand musste sofort Expertin oder Experte sein wichtig war, gemeinsam zu verstehen und zu gestalten. So wurde aus anfänglicher Unsicherheit Neugier und schließlich Überzeugung.
- Drei Praxistipps für den KI-Einstiegt
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Drei Tipps, die Schulleiterin Dr. Tina Hoffmann-Deist interessierten Schulen für den KI-Start empfiehlt:
Einfach trauen und loslegen. KI ist kein Thema, das man auf die lange Bank schieben sollte. Schulen, die mutig ausprobieren, lernen am meisten. Statt Verbote auszusprechen, ist es viel sinnvoller, gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Kolleginnen und Kollegen klare Regeln zu entwickeln und zu zeigen, wie KI kreativ, verantwortungsvoll und effektiv eingesetzt werden kann.
Ins Gespräch kommen und Wissen teilen. KI wird greifbar, wenn man gemeinsam darüber spricht. Pädagogische Tage, kurze Workshops oder spontane Austauschrunden in der Pause, all das hilft, Unsicherheiten abzubauen und Begeisterung zu wecken. Wenn alle verstehen, was KI kann (und was nicht), entsteht echte Kompetenz.
Eine Kultur des Lernens mit KI aufbauen. KI verändert Schule nicht von heute auf morgen, aber sie eröffnet neue Wege. Neugier, Offenheit und der Mut, Fehler als Lernchance zu sehen, sind entscheidend. Wenn Lehrkräfte und Lernende sich gemeinsam auf den Weg machen, wird KI zu einem natürlichen Teil des Schulalltags, als Werkzeug, das Lernen bereichert und Zukunft gestaltet.