Friedensschule Osnabrück

demoKI: Wie Schüler:innen in Osnabrück lernen, Künstliche Intelligenz zu verstehen und zu hinterfrage 

Steckbrief

Schulname: Friedensschule Osnabrück

Stadt: Osnabrück

Bundesland: Niedersachsen

Schulform: Oberschule

Schüler:innen: ca. 250

Kollegium: ca. 45

So setzt die Friedensschule Osnabrück KI ein

Die Friedensschule Osnabrück ist eine junge, wachsende Oberschule mit gebundenem Ganztag, derzeit rund 250 Schülerinnen und einem klaren Profil: individualisiertes Lernen, digitale Bildung, Nachhaltigkeit und gelebte Demokratie. In Lernbüros, Werkstätten und Coachinggesprächen arbeiten die Schülerinnen eigenverantwortlich und projektorientiert. Die Schule versteht sich als Labor für zukunftsgerichtete Lernformen, dazu gehört auch der bewusste Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Im Mittelpunkt steht das Modellprojekt „demoKI“, das KI- und Demokratiebildung verbindet. Die Leitfrage: Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft – und welche Kompetenzen brauchen junge Menschen, um in ihr mündig handeln zu können? In drei Phasen lernen die Schüler:innen, was KI leisten kann, wie sie funktioniert und welche ethischen und gesellschaftlichen Folgen sie hat. Sie entwickeln eigene Bots, gestalten KI-basierte Lernspiele und veröffentlichen ihre Ergebnisse über Social Media oder die Plattform demoKI.info, auf der alle Materialien als Open Educational Resources (OER) frei zugänglich sind.

Die technische Grundlage bildet „SchulKI“: Damit können Lernende text- und bildgenerierende KIs nutzen ohne eigene Anmeldung oder Datenfreigabe. Lehrkräfte erstellen zudem maßgeschneiderte Bots, die das selbstgesteuerte Lernen in den Werkstätten unterstützen, zum Beispiel bei der Themenfindung oder der Reflexion von Lernprozessen.

Stimmen aus der Praxis

Interview mit Maximilian Knolle Lernbegleiter, Beauftragter Digitalität, Projektleiter demoKI
Wie gelingt es einer Schule, den Umgang mit KI transparent, demokratisch und gemeinsam zu entwickeln? Im Interview berichtet Maximilian Knolle, Lernbegleiter, Beauftragter für Digitalität und Projektleiter von demoKI, wie klare Kommunikationswege, partizipative Strukturen und echte Mitgestaltung der Lernenden dafür sorgen, dass KI an seiner Schule zu einem verbindenden statt spaltenden Thema wird.
 

Welche Strukturen oder Formate haben geholfen, dass alle Beteiligten - Kollegium, Schüler:innen, Eltern - im Austausch zum Umgang mit KI bleiben?

Im Schuleigenen Messenger gibt es einen Kanal, der nur dafür genutzt wird, Informationen zu digitalen Neuerungen zu kommunizieren. Hier werden in regelmäßigen Abständen alle Entwicklungen im KI-Bereich an das Kollegium kommuniziert. Zusätzlich werden in den alle zwei Wochen stattfindenden Dienstbesprechungen mindestens 15 Minuten für einen digitalen Informationspart frei gehalten. Dort werden zum Beispiel Ergebnisse der Scrum-Gruppe „Digitales“ präsentiert und zur Abstimmung gebracht. So auch die KI-Nutzungsordnung, welche danach in der Gesamtkonferenz mit Beteiligung
der Eltern- und Lernpartner:innenvertretung beschlossen wurde.

 

Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?
Im demoKI Projekt hat jede und jeder die Möglichkeit sich einzubringen. Die Strukturen innerhalb des Projektes sind demokratisch. Wir entwickeln unsere Lernprodukte gemeinsam. Ideen der Lernpartner:innen werden zu 100% mit in die Idee eingebaut. Wenn wir mit diesen Lernprodukten in die Gesellschaft gehen und Workshops geben, identifizieren sich die Lernpartner:innen mit dem Produkt und dem Gedanken dahinter. Sie können das Gelernte über KI so viel überzeugender weitergeben.

 

Was war die größte Herausforderung auf dem Weg und wie haben Sie sie gelöst?
Die größte Herausforderung war bisher die Entwicklung einer Nutzungsordnung, die von allen getragen wird. Die meisten Punkte stießen auf wenig Diskussionsbedarf. Der Punkt „Wir nutzen KI, wenn sie uns von Lernbegleiter:innen zur Verfügung gestellt wird“, jedoch schon. Als Schule wollen wir eine datenschutzkonforme Lösung für alle bereitstellen. Diese kann in einigen Punkten jedoch nicht mit der Leistung der „großen“ Anbieter mithalten. Es war bzw. ist immer noch schwierig, den Lernenden zu erklären, warum sie das von der Schule bereitgestellte Modell nutzen sollen. Mit zunehmender Nutzung und Erlangung weiterer Kompetenzen werden die Schulmodelle vermehrt akzeptiert, da sie für das Erlangen der Grundkompetenzen völlig ausreichend sind.

Drei Praxistipps für den KI-Einstieg
Diese drei Dinge rät Max Knolle, Lernbegleiter, Beauftragter Digitalität, Projektleiter demoKI an der Friedensschule, Schulen, die sich dem Thema KI an ihrer Schule nähern wollen:

 

Als Erstes ist es wichtig, sich nicht zu fragen, wann der Umgang mit KI in der Schule gelehrt werden sollte, sondern es sollte sofort angefangen werden. KI umgibt uns schon jetzt und in Zukunft werden wir wahrscheinlich gar nicht mehr direkt merken, wann wir mit ihr konfrontiert wurden.

Zudem ist es zweitens gar kein Problem, mit Lernenden zeitgleich KI-Kompetenzen zu erlangen. Ein gemeinsames Ausprobieren ist in dieser Zeit, in der ständig etwas Neues entwickelt wird, ganz normal. Heute aktuelle Anwendungen können morgen schon veraltet sein. 

Als drittes sollte der Fokus auf den Lernenden liegen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie gerade sie KI nutzen können, um ihr Lernen zu optimieren.

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  • Maximilian Knolle, Lernbegleiter, Beauftragter Digitalität, Projektleiter demoKI, Friedensschule Osnabrück
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Ethische Bildung und Datenschutz stehen im Zentrum des Konzepts. Über den Schulmessenger werden regelmäßig Hintergrundinformationen, Diskussionsanlässe und gesellschaftliche Perspektiven zu KI geteilt. In schuleigenen Leitlinien ist geregelt, wann und wie KI genutzt werden darf. Diese Transparenz stärkt das Vertrauen der Lernenden und Lehrkräfte in den verantwortungsvollen Einsatz der Technologie.

Die Schule nutzt KI zudem zur Unterstützung von Inklusion und Barrierefreiheit: Funktionen zur Textvereinfachung oder Übersetzung erleichtern den Zugang zu Lerninhalten, insbesondere für Schüler*innen mit Deutsch als Zweitsprache. Perspektivisch soll KI auch in der individuellen Förderung und Lernverlaufsdokumentation eine Rolle spielen, etwa durch Tools wie die App „Kipti“, die Lerndaten strukturiert aufbereitet.

Besonders innovativ ist der Peer-to-Peer-Ansatz: Schülerinnen, die das demoKI-Programm durchlaufen, bilden anschließend ein Kernteam, das Mitschülerinnen und Lehrkräfte unterstützt. So entsteht eine wachsende Lerncommunity, die Wissen teilt und das Thema KI fest in der Schulkultur verankert.

Die Friedensschule Osnabrück zeigt exemplarisch, wie Künstliche Intelligenz in einem demokratischen Bildungsverständnis verortet werden kann: nicht als technisches Add-on, sondern als Werkzeug, um Verantwortung, Teilhabe und kritisches Denken zu fördern.

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