Steckbrief
Name: Grundschule „Auf den Höhen“
Stadt: Thale
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Schulform: Grundschule
Schüler:innen: ca. 150
Kollegium: ca. 13
So setzt die Grundschule "Auf den Höhen" KI ein
Die Grundschule „Auf den Höhen“ Thale im Harz zeigt, wie Digitalisierung in der Grundschule lebendig werden kann. Ihr Motto „Musikalisch, sportlich, digital“ beschreibt nicht nur ein Profil, sondern eine Haltung: Lernen soll Freude machen, Bewegung und Neugier gehören selbstverständlich dazu. Seit einiger Zeit gehört auch Künstliche Intelligenz zum Alltag, mit viel Fingerspitzengefühl und einem klaren pädagogischen Ziel.
Was anderswo noch als Zukunftsvision gilt, ist in Hohenein längst Teil der Praxis: Lehrkräfte nutzen ChatGPT oder emuKI, um Unterrichtsmaterial zu erstellen, Stoffverteilungspläne zu überarbeiten oder Elternbriefe zu formulieren. Auch Zeugnisse, Wettbewerbsbeiträge oder pädagogische Konzepte entstehen mithilfe der KI. Diese Aufgaben nehmen im Schulalltag viel Zeit in Anspruch. Durch die digitale Unterstützung bleibt mehr Raum für das, was wirklich zählt: die Arbeit mit den Kindern.
Stimmen aus der Praxis
- Interview mit Vivian Arndt und Julia Knauf
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Wie kann Künstliche Intelligenz den Schulalltag spürbar leichter machen, insbesondere an einer Grundschule? Im Interview berichten die Lehrkräfte Vivian Arndt und Julia Knauf, wie kleine KI-Impulse große Wirkung entfalten konnten und warum Offenheit, gemeinsames Lernen und pragmatische Lösungen ihre Schule Schritt für Schritt verändert haben.
Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl: „Jetzt verändert KI wirklich etwas an unserer Schule?“
Der Moment, in dem wir zum ersten Mal wirklich gespürt haben, dass Künstliche Intelligenz unsere Schule verändert, war, als sich eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag einstellte. Plötzlich waren viele der zeitraubenden Routineaufgaben, wie das Berechnen von Notendurchschnitten oder das Erstellen von Elternbriefen, deutlich schneller und effizienter erledigt. Das bedeutete für uns Lehrkräfte: weniger Zeit am Schreibtisch und mehr Zeit im direkten Kontakt mit den Kindern. Wir konnten uns wieder stärker auf die pädagogische Arbeit konzentrieren, individuelle Förderung anbieten und kreative Unterrichtsideen umsetzen. Dieses Gefühl, nicht mehr von administrativen Aufgaben überwältigt zu werden, sondern wieder mehr Raum für die eigentliche Bildungsarbeit zu haben, war für uns der Wendepunkt. Da wurde uns klar: KI ist nicht nur ein technisches Hilfsmittel, sondern ein echter Motor für Innovation und Entlastung an unserer Schule.
Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?
Damit Künstliche Intelligenz nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als echte Gemeinschaftsaufgabe an unserer Schule verstanden wird, haben wir von Anfang an auf Transparenz und Beteiligung gesetzt. Ein entscheidender Schritt war unsere schulinterne Fortbildung, bei der alle Kolleginnen und Kollegen – unabhängig von ihren Vorkenntnissen – die Möglichkeit bekamen, KI-Anwendungen kennenzulernen und praktisch auszuprobieren. Besonders hilfreich war dabei der Zugang zur emuKI, der uns neue Wege im Schulalltag eröffnete. In unseren regelmäßigen Dienstberatungen stellen wir zudem immer wieder neue Ideen und Erfahrungen im Umgang mit KI vor. So bleibt das Thema lebendig und alle fühlen sich eingeladen, eigene Anregungen einzubringen. Durch diesen offenen Austausch und die gemeinsame Weiterentwicklung ist KI bei uns zu einem festen Bestandteil der Schulkultur geworden – getragen von der gesamten Schulgemeinschaft.
Was war die größte Herausforderung auf dem Weg und wie haben Sie sie gelöst?
Die größte Herausforderung auf unserem Weg war es, wirklich alle Kolleginnen und Kollegen mitzunehmen – insbesondere diejenigen, die schon viele Jahre im Schuldienst sind und mit digitalen Neuerungen oft eher vorsichtig umgehen. Es war nicht immer leicht, die gewohnten, oft mühevollen Arbeitsweisen zu hinterfragen und sich auf neue, KI-gestützte Möglichkeiten einzulassen. Wir haben diese Hürde gemeinsam gemeistert, indem wir eine offene, unterstützende Atmosphäre geschaffen haben: Niemand musste sofort alles perfekt können, sondern wir haben uns gegenseitig ermutigt, einfach auszuprobieren und voneinander zu lernen. Besonders hilfreich war es, kleine, alltagsnahe Beispiele zu zeigen – etwa wie schnell ein Elternbrief oder ein Zeugnis mit KI erstellt werden kann. Mit jedem Erfolgserlebnis wuchs das Vertrauen in die neuen Werkzeuge. So wurde aus anfänglicher Skepsis nach und nach echte Neugier und schließlich Begeisterung für die Entlastung, die KI uns im Schulalltag bringt.
- Drei Praxistipps für den KI-Einstieg
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Diese drei Empfehlungen geben Vivian Arndt und Julia Knauf interessierten Schulen mit auf den Weg:
Unsere erste Empfehlung für Schulen, die mit KI durchstarten wollen, ist: Beginnt mit einer gemeinsamen Fortbildung! So haben alle Kolleginnen und Kollegen die Chance, KI kennenzulernen, Hemmschwellen abzubauen und erste praktische Erfahrungen zu sammeln.
Zweitens raten wir dazu, ein kleines engagiertes Fachteam zu bilden, das offen für Neues ist und als Multiplikator im Kollegium wirkt. Dieses Team kann neue Ideen ausprobieren, Erfolge und auch Stolpersteine teilen und so die Begeisterung für KI in die ganze Schule tragen.
Drittens empfehlen wir, sich als Kollegium bewusst zu machen, welche Aufgaben im Alltag besonders viel Zeit kosten – seien es Elternbriefe, Zeugnisse oder die Unterrichtsvorbereitung – und gezielt zu überlegen, wie KI hier unterstützen kann. Mit diesen drei Schritten wird KI nicht zur Last, sondern zu einer echten Bereicherung für die gesamte Schulgemeinschaft.