Käthe-Kollwitz-Gymnasium Berlin

Von der Theorie zur Praxis: Das Käthe-Kollwitz-Gymnasium Berlin macht KI zum Unterrichtsalltag

Steckbrief

Schulname: Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG) 

Stadt: Berlin

Bundesland: Berlin

Schulform: Gymnasium

Schüler:innen: ca. 900

Kollegium: ca. 80

Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Berlin
Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Berlin

So setzt das Käthe-Kollwitz-Gymnasium KI ein

Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium Berlin (KKG) gehen täglich über 900 Schüler:innen ein und aus. Die Schule ist MINT-EC-zertifiziert, Netzwerkschule der Humboldt-Universität und „exzellente digitale Schule“. Mit ihrer starken Ausrichtung auf Begabungsförderung, Projektlernen und Medienbildung gehört sie zu den Vorreiterschulen im Bereich digitaler Schulentwicklung. Aus dieser Haltung heraus hat das Kollegium das Konzept „Own your power“ entwickelt: ein ganzheitlicher Ansatz, der Künstliche Intelligenz (KI) systematisch in Unterricht und Schulalltag integriert.

„Own your power“ steht für die Idee, dass Schüler:innen lernen sollen, KI nicht nur zu nutzen, sondern zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und selbstbestimmt anzuwenden. Das Konzept fördert digitale Mündigkeit, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein. Grundlage bilden schuleigene Leitlinien, die regeln, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann – etwa zur Unterstützung, Reflexion oder für kreative Projekte – und wo ihre Nutzung Grenzen hat.

Zentraler Bestandteil sind die KI-Kompetenztage, die alle Schüler:innen der Jahrgänge 7 bis 10 durchlaufen. Sie vermitteln Basiswissen zu Funktionsweise, Chancen und Risiken von KI. Daran schließen sich praxisnahe Anwendungen im Unterricht an: Chatbots im Fremdsprachenunterricht, KI-generierte Visualisierungen in Kunst, Übersetzungs- und Sprachtools in den Willkommensklassen oder Forschungsprojekte im StudienLab „Wissenswelten & KI“. Im Zusatzkurs „KI“ der Oberstufe vertiefen Lernende ihr Wissen, programmieren eigene Anwendungen und reflektieren ethische Fragen.

Stimmen aus der Praxis

Interview mit Simone Ley, Martin Jaunich und Dr. Peter Krilles
Wie entwickelt eine Schule ein umfassendes Gesamtkonzept für KI, getragen von Leitung, Kollegium und Lernenden? Im Interview geben Simone Ley, Schulleiterin, Martin Jaunich, Koordination KI, und Dr. Peter Krilles, Oberstufenkoordinator am Käthe-Kollwitz-Gymnasium, Einblicke, wie ihr Team Expertise aus verschiedenen Bereichen gebündelt, Lehrkräfte, Eltern und Schüler:innen aktiv eingebunden und so ein KI-Gesamtkonzept entwickelt hat, das die ganze Schulgemeinschaft trägt.

 

Wie hat Ihre Schule die nötigen Kompetenzen entwickelt, um KI sinnvoll in Unterricht und/oder Schulorganisation zu integrieren?

Martin Jaunich: Wir haben früh gemerkt, dass viele Kolleg:innen dem Thema grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und es sogar einen kleineren Kreis von sehr fachkundigen Kolleg:innen gibt, die aus verschiedenen Perspektiven auf das Thema blicken: aus Sicht der Medienbildung, aus technischer Sicht, aus Schulentwicklungssicht. All diese Kolleg:innen liefern durch schulinterne Fortbildungen und in Gremiensitzungen Beiträge, um das Wissen im Kollegium zu streuen und es dadurch KI-kompetent zu machen.

Zudem lieferten und liefern zahlreiche Vernetzungsveranstaltungen z.B. im Innovationslabor KI der Robert-Bosch-Stiftung oder im Berliner Netzwerk ‚Exzellente digitale Schule‘ wertvolle Impulse, um über unsere eigene Expertise hinaus Ideen und Anregungen zu sammeln und auszuprobieren.

Der größte Anteil an der Entwicklung unserer Kompetenzen geht dennoch sicherlich auf den Mut und das Erkennen der Notwendigkeit zurück, unsere Vorhaben im realen Schulalltag zu erproben, denn nur so zeigt sich wirklich, was funktioniert und was nicht.

 

Welche Strukturen oder Formate haben geholfen, dass alle Beteiligten (Kollegium, SuS, Eltern) im Austausch bleiben?

Peter Krilles: Wir haben vor allem darauf gesetzt, bestehende Strukturen und Ressourcen effizient zu nutzen und nur dort Neues aufzubauen, wo es wirklich nötig war. Für das Kollegium ist ein differenziertes Fortbildungskonzept mit klaren Minimal- und optionalen Vertiefungsanteilen entstanden, zudem gibt es regelmäßig Mikrofortbildungen. Ergänzend dazu arbeiten die Fachbereiche an Studientagen gezielt an der Entwicklung von Unterricht unter Berücksichtigung von KI.

Die Eltern und Schüler:innen waren durch ihre Mitarbeit in den Gremien, z.B. bei der Diskussion unseres KI-Konzepts in der Schulkonferenz, eingebunden. Im Rahmen einer Elternakademie wurden die Eltern an der Erstellung unserer KI-Leitlinien beteiligt.

Besonders wichtig ist die aktive Rolle der Schüler*innen: Sie haben schon letztes Jahr ein eigenes Junior Science Café KI veranstaltet und dazu  Expert:innen, Eltern und Lehrkräfte eingeladen. Aktuell bereiten sie eine Fortbildung für Lehrkräfte zu ihrem eigenen KI-Nutzungsverhalten vor. Gerade diese Einbindung als junge KI-Expert:innen hält den Austausch zwischen allen Beteiligten lebendig.

 

Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?

Simone Ley: Unsere Evaluation hat gezeigt, dass die Nutzung von KI flächendeckend in der Lebenswelt unserer Schüler*innen angekommen ist. Insofern ist es Teil unseres Bildungsauftrags, unsere Schüler:innen nicht unreflektiert und ohne Unterstützung diese Zukunftskompetenz erlernen zu lassen. ‚Own your power!‘ ist dabei unser Leitsatz. Unser Ziel ist, eine einheitliche Haltung in der Schulgemeinschaft gegenüber KI zu entwickeln. KI kann nur ein Werkzeug sein. Die KI-Nutzung darf nicht das selbstbestimmte Lernen unserer Schüler:innen verhindern. Sie muss eine reflektierte und kritische Haltung fördern. Diesen Ansatz haben wir ausführlich in unserer Schulgemeinschaft diskutiert, festgelegt und in unseren in den Gremien abgestimmten Leitlinien und im abgestimmten Gesamtkonzept festgehalten. 

Durch die Bündelung der KI-Grundbildung auf jahrgangsbezogene und fachübergreifende "Kompetenztage" liegt die Umsetzung unseres Konzepts nicht in der Verantwortung der einzelnen Fachlehrkraft, sondern in der des gesamten pädagogischen Teams. Gleichzeitig finden die KI-Kompetenzen flächendeckend Anwendung, z.B. im Projektlernen aller Jahrgangsstufen und im Fachunterricht, sodass ein vernetztes Ganzes entsteht.

Drei Praxistipps für den KI-Einstieg
Welche drei Empfehlungen würden das Kollegium des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums geben, die mit dem Einsatz von KI beginnen wollen?
  1. Entwickeln Sie eine gemeinsame Haltung - gestalten Sie Ihr schulspezifisches Leitbild.

  2. Nutzen Sie bereits bestehende Unterrichtsstrukturen - KI lässt sich schulspezifisch nach dem Bausteinprinzip in Ihren Schulalltag integrieren.

  3. Teilen Sie Ihr Wissen - Lernen Sie voneinander, auch Schüle:innen können Experten sein.

  • AI-Lab des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums
    1 / 3 Foto: AI-Lab des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums
  • Veranstaltung 'Junior Science Café KI' am Käthe-Kollwitz-Gymnasium
    2 / 3 Foto: Veranstaltung 'Junior Science Café KI' am Käthe-Kollwitz-Gymnasium
  • Dr. Peter Krilles, Simone Ley und Martin Jaunich vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium Berlin
    3 / 3 Foto: Dr. Peter Krilles, Simone Ley und Martin Jaunich vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium Berlin

Zentraler Bestandteil sind die KI-Kompetenztage, die alle Schüler:innen der Jahrgänge 7 bis 10 durchlaufen. Sie vermitteln Basiswissen zu Funktionsweise, Chancen und Risiken von KI. Daran schließen sich praxisnahe Anwendungen im Unterricht an: Chatbots im Fremdsprachenunterricht, KI-generierte Visualisierungen in Kunst, Übersetzungs- und Sprachtools in den Willkommensklassen oder Forschungsprojekte im StudienLab „Wissenswelten & KI“. Im Zusatzkurs „KI“ der Oberstufe vertiefen Lernende ihr Wissen, programmieren eigene Anwendungen und reflektieren ethische Fragen.

Für die technische Umsetzung nutzt die Schule das datenschutzkonforme Angebot von fobizz, ergänzt durch ein eigenes AI-Lab mit leistungsstarken Rechnern für Open-Source-Modelle. So können Sprach-, Bild- und Audiogeneratoren erprobt werden, ohne sensible Daten zu gefährden. Das AI-Lab dient zugleich als Lernraum für besonders interessierte Schüler:innen, die dort selbstständig forschen und an Wettbewerben teilnehmen.

Das KKG verbindet damit technische Bildung mit Werten und Verantwortung. Lehrkräfte, Eltern und Schüler:innen waren an der Entwicklung beteiligt, alle Gruppen erhalten regelmäßige Fortbildungen und Austauschformate. Die Schule versteht KI als Werkzeug, das Lernen unterstützt, aber immer in Verbindung mit menschlicher Urteilskraft, ethischer Reflexion und sozialem Lernen.

Mit „Own your power“ hat das KKG ein Modell geschaffen, das KI-Bildung nachhaltig, inklusiv und praxisnah verankert. Es zeigt, wie eine Schule technologische Innovation mit Verantwortung, Kreativität und Mündigkeit verbinden kann.

Kontakt

E-Mail: sekretariat@atkkos.net

Telefon: 030 - 444 76 71

Websitewww.kaethe-kollwitz-gymnasium.de