Neue Grundschule Potsdam

KI ab Klasse 1: Wie die Neue Grundschule Potsdam selbstgesteuertes Lernen, Inklusion und Medienbildung verzahnt

Steckbrief

Schulname: Neue Grundschule Potsdam

Stadt: Potsdam

Bundesland: Brandenburg

Schulform: Grundschule (freie Trägerschaft)

Schüler:innen: ca. 400

 

So setzt die Neue Grundschule Potsdam KI ein

Die Neue Grundschule Potsdam ist eine inklusive, bilinguale Schule in freier Trägerschaft mit mehr als 400 Schüler:innen. Ihr Profil ist seit zwei Jahrzehnten klar kindzentriert: Selbstverantwortung, Lebensweltbezug und Gemeinschaft prägen Unterricht und Schulkultur. Das Arbeiten in Jahrgangsstufen 1 bis 6 verbindet Atelierarbeit, Lernpfade, Coachingstrukturen und eine durchgängige Kompetenzorientierung.

Künstliche Intelligenz ist dabei kein Selbstzweck, sondern Lernpartner. Gemeinsam mit der KI erstellen Kinder eigene Lernpfade, trainieren Lesestrategien mit unmittelbarem Feedback, planen Podcasts oder Filme und nutzen KI zur Ideenfindung, Visualisierung und Textüberarbeitung. Lehrkräfte setzen KI für Differenzierung, Scaffolding und Planung ein, um Heterogenität, Inklusion und Zeitdruck pädagogisch sinnvoll zu adressieren. Grundlage ist eine schulweite KI-Ordnung mit Kennzeichnungspflicht, klaren Datenschutzstandards und transparenter Kommunikation gegenüber Eltern. Nicht DSGVO-konforme Angebote werden erklärt, im Unterricht jedoch nicht genutzt.

Die technische Basis ist breit: 250 Schüler:innen-iPads, 40 Lehrkräfte-iPads, Smartboards in allen Klassen, Maker Space mit Audio- und Videoequipment sowie eine Schulcloud. Ein Technikteam mit Schülerpilot:innen sichert Support im Alltag. Fortbildungen in professionellen Lerngemeinschaften und kollegiale Hospitationen führen die Konzepte zusammen.

Stimmen aus der Praxis

Interview mit Kristin van der Meer, Lehrkraft an der Neuen Grundschule Potsdam
Wie verändert sich Lernen, wenn eine Grundschule Künstliche Intelligenz nicht als Technikthema, sondern als Teil ihrer pädagogischen Haltung begreift? Im Interview erzählt Lehrkraft Kristin van der Meer, wie an ihrer Schule aus Selbstregulation, Teamarbeit und mutigem Ausprobieren eine Lernkultur entstanden ist, in der KI Kindern wie Lehrkräften neue Handlungsspielräume eröffnet.
 

Wie hat Ihre Schule die nötigen Kompetenzen entwickelt, um KI sinnvoll in Unterricht und/oder Schulorganisation zu integrieren?

Bei uns hatte alles mit einer klaren Grundüberzeugung begonnen: Kinder müssen in einer KI-Welt selbstbestimmt lernen können. Daher haben wir nicht zuerst Tools geschult, sondern Lernstrategien, Unterrichtsöffnung und Selbstregulation gestärkt. KI wurde erst danach zum „hybriden Lernpartner“.

Parallel haben wir niedrigschwellige Fortbildungen angeboten, viele davon von Kolleg:innen für Kolleg:innen: kurze Inputs im Team, Live-Prompts, Hospitationen, Peer-Lernen. Die größte Kompetenzsteigerung kam aber durch konkretes Ausprobieren, begleitet von gemeinsamen Reflexionsroutinen: Was hat KI verändert? Wo unterstützt sie? Wo braucht es Grenzen?

Wichtig war außerdem, Eltern früh einzubeziehen, Ängste ernst zu nehmen und transparent zu zeigen, wie KI Lernen unterstützt und nicht ersetzt. So entstand Schritt für Schritt eine gemeinsame Kompetenzbasis.


Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl: „Jetzt verändert KI wirklich etwas an unserer Schule?“

Dieser Moment kam, als Kinder der 3. Klasse anfingen, KI ganz selbstverständlich als Unterstützung zu nutzen und nicht als Abkürzung. Ein Kind sagte einmal: „Ich frage die KI erst, wenn ich wirklich nicht weiterweiß und meine Gedanken strukturieren muss.“ Das war für uns der Punkt, an dem klar wurde: Wir vermitteln nicht Technik, wir vermitteln Lernbewusstsein.

Gleichzeitig veränderte sich die Kultur im Kollegium. Lehrkräfte begannen Aufgaben so zu gestalten, dass KI Reflexion, Strukturierung und Individualisierung erleichtert. Kinder arbeiteten sichtbar selbständiger, trafen eigene Entscheidungen und dokumentierten ihre Lernwege mithilfe der KI.

Da war für uns klar: KI ist nicht mehr Experiment. Sie ist Teil einer neuen Lernkultur geworden.

 

Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?

Wir haben von Anfang an auf Transparenz, Teilhabe und Teamstrukturen gesetzt. Keine Person sollte „die KI-Expertin“ sein, stattdessen wurde das Thema in bestehende Schulentwicklungsprozesse eingebettet. Jeder Fachbereich brachte Perspektiven ein, jeder Jahrgang konnte eigene Erprobungsräume öffnen.

Zentral war ein gemeinsamer KI-Kompass, der Haltung, Ziele, Chancen und Grenzen formuliert. Er war die Grundlage dafür, dass Entscheidungen nicht auf Einzelmeinungen beruhen, sondern auf einem pädagogischen Konsens. Gemeinsam gestalten wir unser Leitbild.

Außerdem haben wir Lernerfolge sichtbar gemacht: im Kollegium, mit Eltern, mit Kindern. Wenn alle merken, wie KI den Unterricht entlastet, öffnet und strukturiert, entsteht automatisch eine kollektive Verantwortung. KI wurde nicht „Sache einzelner “ KI wurde Schulentwicklung.

 

Drei Praxistipps für den KI-Einstieg
Das Kollegium der Neuen Grundschule gibt drei Tipps, die Schulen den Einstieg in KI erleichtern kann: 

Erstens: Beginnen Sie nicht mit Tools, sondern mit Lernzielen und Haltung. KI entfaltet nur dann Wirkung, wenn Lehrkräfte verstehen, wie Kinder lernen und wie KI diesen Prozess strukturiert unterstützen kann. Es geht nicht um Abkürzungen, sondern um bewusstes Lernen.

Zweitens: Starten Sie klein, aber konsequent. Eine Klasse, ein Fach, ein Projekttag, wichtig ist, dass alle Beteiligten erleben, dass KI den Unterricht nicht ersetzt, sondern öffnen, entlasten und individualisieren kann. Erfolgserlebnisse tragen das Thema ins Kollegium.

Drittens: Etablieren Sie gemeinsame Strukturen. Ein Kanban-Board, gemeinsame Reflexionsfragen, Lernziele oder ein KI-Kompass. Schulen brauchen ein gemeinsames Verständnis, wie KI verantwortungsvoll eingesetzt wird. Erst dann entsteht echte Qualität und kein Tool-Hopping.

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Didaktisch entsteht so eine neue Lernkultur: KI gibt differenziertes, zeitnahes Feedback und öffnet multimodale Zugänge. Kinder mit Förderbedarf nutzen Sprachassistenz, Bildunterstützung oder vereinfachte Texte. Aufgaben lassen sich passgenau anpassen, Lernprodukte werden vielfältig gestaltet. Das Rollenverständnis der Lehrkraft verschiebt sich zur begleitenden Lernberatung, während Kinder mehr Verantwortung für Planung, Durchführung und Reflexion übernehmen.

Seit 2024 ist die Schule Teil des Innovationslabors „KI im Unterricht – Schule von morgen heute gestalten“ der Robert Bosch Stiftung. Geplant sind ein KI-Lernbüro für Lesen, Schreiben, Medien und NaWi, eine schulweite Struktur für KI-gestützte Atelierarbeit sowie neue KI-Rollenkarten und digitale Coachingsysteme. Die Einführung erfolgt stufenweise bis Ende 2026, begleitet von Evaluationen über Feedbackbögen, Teamreflexionen und Lernstandsanalysen.

Kooperationen u.a. mit dem Deutschen Schulportal, WirFürSchule oder dem Netzwerk Diklusion unterstützen die Umsetzung. Ziel bleibt, Kindern in einer dynamischen Welt souveränes, reflektiertes und wirksames Handeln zu ermöglichen. KI dient hier als Verstärker für Teilhabe, Chancengerechtigkeit und selbstreguliertes Lernen.

Kontakt

E-Mail: info@atneue-grundschule-potsdam.de 

Telefon: 0331-2002 97 66

Website: www.neue-grundschule-potsdam.de