Sekundarschule Am Biegerpark Duisburg

Smart, sozial, zukunftsorientiert: So verändert KI den Unterricht an der Sekundarschule am Biegerpark 

Steckbrief

Schulname: Sekundarschule Am Biegerpark (SAB)

Stadt: Duisburg

Bundesland: Nordrhein-Westfalen

Schulform: Sekundarschule

Schüler:innen: ca. 750

Kollegium: ca. 75

Dependance Knevelshof_SAB
Dependance Knevelshof_SAB

So setzt die Sekundarschule am Biegerpark KI ein

An der Sekundarschule am Biegerpark (SAB) in Duisburg zeigt sich, wie Künstliche Intelligenz Schule verändern kann, wenn sie konsequent als Teil einer umfassenden Bildungsstrategie gedacht wird. Rund 750 Schüler:innen lernen hier in einem Umfeld, das auf Zukunft ausgerichtet ist: technisch, didaktisch und menschlich. Die SAB hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich in digitale Infrastruktur investiert: 800 iPads, 25 interaktive Panels, 140 PCs und ein flächendeckendes Glasfaser-WLAN schaffen die Basis für datenbasiertes, individuelles und kreatives Lernen. Künstliche Intelligenz ist längst kein Fremdwort mehr, sondern fester Bestandteil des Alltags.

Im Unterricht kommen verschiedene KI-Systeme zum Einsatz, von lokalen Lösungen wie ChatGPT4All oder Ollama bis hin zu Anwendungen wie Fobizz, NotebookLM oder Manus AI. Letztere analysiert anonymisierte Lern- und Leistungsdaten und unterstützt die Schulentwicklung mit datenbasierten Erkenntnissen. Für die Schüler:innen bedeutet das: personalisierte Lernpfade, individuelles Feedback und barrierefreie Zugänge zu Inhalten durch vereinfachte Texte, Übersetzungen oder Audioformate.

KI ist aber auch Treiber einer neuen Lernkultur. Mit NotebookLM erstellen Schüler:innen eigene Podcasts oder Lernfilme, mit Gamma AI gestalten sie Präsentationen. In sogenannten Samstagsseminaren entwickeln Pilotgruppen eigene KI-Bots, die künftig als Lernassistent:innen im Unterricht eingesetzt werden sollen. So werden Schüler:innen selbst zu Gestalter:innen digitaler Werkzeuge.

Stimmen aus der Praxis

Interview mit Schulleiter Pavle Madzirov
Im Interview berichtet Schulleiter Pavle Madzirov, wie seine Schule Künstliche Intelligenz Schritt für Schritt in Unterricht und Schulorganisation integriert hat und welchen Anteil Formate wie „KI Tool of the Month“ dabei hatten.

 

Wie hat Ihre Schule die nötigen Kompetenzen entwickelt, um KI sinnvoll in Unterricht und/oder Schulorganisation zu integrieren?
Freiwillige Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, Schülerschaft und Elternschaft bildeten den Start in die Thematik. Lehrkräfte erhielten anschließend verbindliche schulinterne Fortbildungen. Lehrkräfte bieten regelmäßig Mikro-Fortbildungen für andere Lehrkräfte zu KI Themen an. Das Format „KI Tool of the month“ ist ein offenes Angebot für Schülerschaft, Lehrkräfte und Elternschaft, welches vor Ort und hybrid stattfindet. Für die Elternschaft gibt es wöchentlich ein Online Angebot zum Thema KI, welches durch einen externen Anbieter durchgeführt wird. Auf Wunsch erhielten Lehrkräfte Zugang zu kommerziellen Anbietern, die KI Fortbildungen anbieten.

Welche Strukturen oder Formate haben geholfen, dass alle Beteiligten (unter anderem Kollegium, Schülerinnen und Schüler, Eltern) im Austausch bleiben?
Regelmäßige Veranstaltungen, wie das Format „KI Tool of the month“, die Steuergruppe der Schule und die Bildungsreihe zum Thema KI für die Elternschaft sichert einen regelmäßigen Austausch und den stetigen Ausbau
von KI Kompetenzen. Die schrittweise Implementierung in die schulinternen Lehrpläne sichert eine Behandlung der Thematik aus verschiedenen Perspektiven. Die jährliche Evaluation zum Thema KI ermöglicht eine effiziente Weiterentwicklung und Skalierung der Projekte.

Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl: „Jetzt verändert KI wirklich etwas an unserer Schule?“
Es waren viele kleine Momenten mit SchülerInnen und Lehrkräften, die sich zunächst unscheinbar aneinanderreihten, KollegInnen, die KI zur Unterrichtsvorbereitung nutzten, Schüler, die mit Chatbots Lernlücken schlossen und viele weitere Situationen. Doch der eigentliche Wendepunkt kam, als wir begannen, verschiedene Daten systematisch und datenschutzkonform mit KI auszuwerten. Zum ersten Mal hatten wir nicht nur ein Bauchgefühl, sondern klare Hinweise, die wir für unsere Schulentwicklung nutzen konnten. Ab da war uns klar: Wir gestalten Schule nicht mehr reaktiv, sondern datenbasiert und vorausschauend. Ohne KI wäre dies so nicht möglich gewesen.

Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?
Zu Beginn waren alle Veranstaltungen freiwillig und sind es, teilweise, auch noch heute. Der Nutzen der KI sollte allen Beteiligten durch Leistung deutlich werden und dies geschah zu Beginn durch Mundpropaganda. Wir haben KI nicht als Zusatzaufgabe definiert, sondern als Entlastung und Unterstützung im schulischen Alltag gezeigt, bei allen Themen rund um Korrekturen, Planung, Kommunikation oder Unterrichtsvorbereitung. Parallel dazu entstanden klare Rahmenbedingungen und einfache Regeln, die Orientierung und Sicherheit gaben. Durch die Beteiligung aller Gremien erreichten wir alle Menschen, die am schulischen Leben partizipieren, direkt zu Beginn des Prozesses.

Was war die größte Herausforderung auf dem Weg und wie haben Sie sie gelöst?
Die größte Herausforderung war die rechtliche Unsicherheit allgemein und das Thema Datenschutz und Datenmanagement. Es musste geklärt werden, welche Daten verarbeitet werden dürfen und wie man rechtssicher mit KI arbeiten kann. Wir haben das Thema daher systematisch angegangen: Zuerst haben wir unser schulisches Datenmanagement überprüft, Zuständigkeiten geklärt und alle relevanten Datenflüsse dokumentiert. Anschließend haben wir gemeinsam mit Datenschutzbeauftragten der Schule klare Verfahren zur Anonymisierung und Pseudonymisierung entwickelt. So konnten wir KI gezielt in der Schulentwicklung einsetzen, ohne personenbezogene Daten zu gefährden. Daten zur Nutzung mit KI aufzubereiten war ein Kraftakt, den wir unterschätzt hatten. Diese Kombination aus sauberem Datenmanagement, Transparenz und rechtlicher Sicherheit hat das Vertrauen aller Beteiligten gestärkt und den Weg dafür frei gemacht, KI verantwortungsvoll und wirksam im Schulalltag zu nutzen.

Drei Tipps für den KI-Einstieg
Wie gelingt der Einstieg in die Welt der Künstlichen Intelligenz an Schulen? Drei Praxistipps von Pavle Madzirov:

1. Schulen, die jetzt mit Künstlicher Intelligenz starten wollen, sollten zunächst ihren IST-Zustand ehrlich erfassen. KI ist überall, aber nicht wahrnehmbar. Lehrkräfte und Schülerschaft nutzen bereits KI, aber niemand hat einen Überblick! Entscheidend ist ein realistisches Bild vor Ort: Welche technischen Voraussetzungen sind vorhanden, wie kompetent fühlen sich Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Tools, und wo stehen Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf Medien- und KI-Kompetenz? Welche Tools werden bereits genutzt? Nur wer die Ausgangslage klar kennt, kann zielgerichtet planen, statt planlos zu reagieren und eine passende KI Strategie entwickeln.

2. Im nächsten Schritt sollte die Schule gemeinsam mit allen Beteiligten, also Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Eltern und der Schulleitung, verbindliche KI-Nutzungsbedingungen entwickeln. Diese Regeln schaffen Sicherheit im Umgang mit KI, sorgen für Transparenz und schützen vor Missverständnissen und rechtlichen Risiken. So entsteht eine gemeinsame Haltung, die den verantwortungsvollen Einsatz von KI fördert. 

3.Schließlich ist es wichtig, dass alle Beteiligten schrittweise im Umgang mit KI geschult werden. Das gelingt am besten praxisnah, mit konkreten Beispielen aus dem Unterrichts- und Schulalltag, kurzen Lernimpulsen und kollegialem Austausch. Wenn KI als nützliches Werkzeug verstanden wird, das Unterricht, Organisation und Schulentwicklung unterstützt, kann daraus eine echte Chance für die gesamte Schulgemeinschaft

  • Workshops der Hacker School an der SAB
    1 / 2 Foto: Workshops der Hacker School an der SAB
  • Pavle Madzirov, Schulleiter SAB Duisburg
    2 / 2 Foto: Pavle Madzirov, Schulleiter SAB Duisburg

Gleichzeitig denkt die Schule KI über den Unterricht hinaus. In der Verwaltung automatisieren KI-Systeme Routinen wie Terminplanung, Elternkommunikation oder Dokumentation. Für Lehrkräfte bedeutet das Entlastung, für die Schulentwicklung neue Möglichkeiten, Entscheidungen datenbasiert zu treffen.

Besonderen Wert legt die SAB auf Ethik und Transparenz. Eine schulweite KI-Strategie, beschlossen in allen Gremien, regelt Nutzung, Datenschutz und Verantwortung. Eltern werden durch die Bildungsreihe „KI für Eltern“, unterstützt von der Stadt Duisburg, aktiv einbezogen. Diese Offenheit sorgt für Vertrauen und Akzeptanz und für eine Schulgemeinschaft, die KI gemeinsam gestaltet.

Auch im Bereich Inklusion eröffnet KI neue Perspektiven: Lernende mit Förderbedarf profitieren von individuell angepassten Inhalten, Mehrsprachigkeit und auditiven Hilfen. So wird Teilhabe konkret umgesetzt und das Lernen gerechter.

Die Sekundarschule am Biegerpark steht damit beispielhaft für eine Schule, die den digitalen Wandel nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet. Hier wird KI nicht als technisches Add-on verstanden, sondern als Werkzeug für eine moderne, chancengerechte und kreative Bildung. Ihr Motto: Digitale Intelligenz braucht soziale Verantwortung. Beides gehört in die Schule der Zukunft.

Kontakt

Website: sab-duisburg.de 

Telefon: 0203 – 283 7672

E-Mail: sekundarschule.ambiegerpark@atstadt-duisburg.de