Steckbrief
Schulname: Veldenz Gymnasium
Stadt: Lauterecken
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Schulform: Gymnasium
Schüler:innen: ca. 400
Kollegium: ca. 40
So setzt das Veldenz Gymnasium KI ein
Das Veldenz Gymnasium in Lauterecken ist mit rund 400 Lernenden das kleinste voll ausgebaute staatliche Gymnasium in Rheinland-Pfalz. Als MINT-freundliche „Digitale Schule“ verbindet es fachwissenschaftliche Bildung mit einer konsequenten Förderung digitaler Kompetenzen. Seit dem Schuljahr 2024/25 gibt es in Klasse 8 ein fest verankertes Unterrichtsangebot zu Künstlicher Intelligenz, das bewusst notenfrei gestaltet ist und von Lehrkräften verschiedener Fächer unterrichtet wird. Ziel ist ein sicherer und reflektierter Umgang mit KI – von den Grundlagen bis zur Anwendung im eigenen Lernalltag.
Im Zentrum steht der praxisnahe Zugang: Schülerinnen und Schüler üben zielgerichtetes Prompten, testen KI-gestützte Assistenten, erstellen Inhalte mit Bild- und Textgeneratoren und setzen sich mit Themen wie Deepfakes, Bias, Urheberrecht und Transparenz auseinander. Die Arbeit erfolgt projektorientiert, etwa in Form eigener Chatbots oder kleiner Analyse- und Gestaltungsaufgaben, die sich an die Fächer Sprachen, Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften anbinden lassen. So wird KI nicht isoliert gelehrt, sondern in den regulären Unterricht zurückgespielt.
Stimmen aus der Praxis
- Interview mit Lisa Häßel, Lehrerin, Koordinatorin für Bildung in der digitalen Welt
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Wie schafft es eine Schule, KI nicht nur zu verstehen, sondern als lernverändernde Kraft im Unterricht zu verankern? Im Kurz-Interview berichtet Lisa Häßel, Lehrerin und Koordinatorin für „Bildung in der digitalen Welt“, wie ein gemeinsamer Startpunkt, wissenschaftliche Partnerschaften und viel Praxis ihre Schule Schritt für Schritt zu einer kompetenten KI-Lerncommunity gemacht haben.
Wie hat Ihre Schule die nötigen Kompetenzen entwickelt, um KI sinnvoll in Unterricht und/oder Schulorganisation zu integrieren?
Wir haben unsere KI-Kompetenzen bewusst mit einem gemeinsamen Startpunkt aufgebaut: einem schulinternen Studientag, bei dem das gesamte Kollegium von Grund auf abgeholt wurde. Den Auftakt gestaltete Prof. Dr. Sebastian Becker-Genschow von der Universität zu Köln, der einen wissenschaftlich fundierten Einblick in KI, Chancen und Risiken gab und so eine gemeinsame Grundlage für alle schuf. Darauf aufbauend führten wir regelmäßig Mikrofortbildungen durch, in denen konkrete Tools, Einsatzszenarien und didaktische Möglichkeiten vorgestellt wurden. So konnten Lehrkräfte niederschwellig eigene Erfahrungen sammeln und Sicherheit im Umgang mit KI entwickeln. Parallel entstand ein schulisches Curriculum, das praxisnah, flexibel und eng an unseren pädagogischen Zielen ausgerichtet ist. Die Kooperationen mit der Universität zu Köln sowie der RPTU Kaiserslautern-Landau begleiten uns bis heute und liefern wertvolle Impulse. Entscheidend war unsere Haltung: KI nicht abwarten, sondern gemeinsam aktiv und verantwortungsvoll gestalten.
Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl: „Jetzt verändert KI wirklich etwas an unserer Schule?“
Für mich persönlich gab es einen sehr klaren Moment, an dem ich gespürt habe: Jetzt verändert KI wirklich etwas an unserer Schule. Das war, als ich im Unterricht die ersten Aha-Erlebnisse der Schüler:innen beobachten konnte. Besonders beim Training einer eigenen KI wurde sichtbar, wie tief sie plötzlich verstanden, dass Datenqualität über richtig oder falsch entscheidet. In dem Moment, in dem ein Modell aufgrund schlechter Daten falsche Ergebnisse lieferte und die Schüler:innen selbst erkannten, warum das passiert – da merkte ich: Jetzt beginnt echtes Verstehen. Ein zweiter starker Moment war das Arbeiten mit eigenen KI-Assistenten. Als die Schüler:innen testeten, veränderten, prompteten – und unmittelbar sahen, wie sich das Verhalten der KI durch ihre Eingaben anpasste –, entstand spürbare Selbstwirksamkeit. In genau diesen Augenblicken wurde mir klar: KI ist nicht nur Thema, sondern Lernveränderung.
Wie haben Sie erreicht, dass KI nicht als „Projekt Einzelner“, sondern als Gemeinschaftsaufgabe der Schule verstanden wird?
Für uns war von Beginn an entscheidend, dass KI nicht als Projekt Einzelner verstanden wird, sondern als gemeinsame Aufgabe der gesamten Schule. Deshalb haben wir früh auf Transparenz und breite Einbindung gesetzt. Unser Studientag war ein wichtiger Startpunkt: Alle Kolleg:innen – unabhängig von Fach, Hintergrund oder Vorerfahrung – erhielten denselben Einstieg und dieselbe Orientierung. Damit entstand ein gemeinsames Fundament und das Gefühl: Das betrifft uns alle.
Beim Aufbau der Unterrichtsinhalte war uns besonders wichtig, dass KI nicht als reines Informatikthema wahrgenommen wird. Deepfakes, ethische Fragen oder Datenverantwortung sind Themen, die alle Fächer betreffen. Deshalb haben wir Inhalte bewusst interdisziplinär entwickelt und Kolleg:innen aus Ethik, Sprachen, Gesellschafts- und Naturwissenschaften einbezogen.
So wurde KI Schritt für Schritt zu einer echten Gemeinschaftsaufgabe – getragen von vielen, fachlich vielfältig und nachhaltig in unserer Schulkultur verankert.
- Drei Praxistipps für den KI-Einstieg
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Diese drei Tipps gibt Lisa Häßel Schulen an die Hand, die mit dem Einsatz von KI an ihrer Schule starten wollen:
Mut haben – und gemeinsam ausprobieren.
Der wichtigste Schritt ist, nicht auf den „perfekten Moment“ zu warten. Schulen sollten KI mutig ausprobieren und möglichst früh das gesamte Kollegium einbinden. Wenn Lehrkräfte aller Fächer zusammen erste Schritte gehen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen, entsteht Sicherheit – und KI wird zur Gemeinschaftsaufgabe, nicht zum Projekt Einzelner.
KI selbst nutzen und daraus lernen.
Lehrkräfte sollten KI nicht nur im Unterricht thematisieren, sondern auch selbst nutzen. Wer KI selbst ausprobiert, versteht schneller, wie sie funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und wie sie Unterricht tatsächlich erleichtern und bereichern kann.
Fächerübergreifend denken und Austausch suchen.
KI ist kein reines Informatikthema. Ethische Fragen, Sprache, Medienbildung, Gesellschaft, Naturwissenschaft – all das gehört dazu. Schulen profitieren enorm, wenn verschiedene Fachperspektiven zusammenkommen und sie sich zusätzlich mit Universitäten und anderen Schulen vernetzen.